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religion@home? Religionsbezogene Online-Plattformen und ihre Nutzung

Eine Untersuchung zu neuen Formen gegenwärtiger Religiosität

Anna Neumaier, ergon Verlag 2016, S.478, 58€, ISBN 978-3-95650-141-8

Über den Wandel gegenwärtiger Religion und Religiosität ist in Debatten rund um Säkularisierung und Re-Sakralisierung viel diskutiert worden. Die Bedeutung neuer Medien wurde dabei aber noch wenig berücksichtigt. An diese Debatten anschließend widmet sich die vorliegende Studie deshalb religiöser Online-Nutzung, ihren Bedingungen, Formen und Konsequenzen: Was sind Auslöser für den Einstieg, Themen des Online-Austauschs, und in welchem Zusammenhang steht die Online-Nutzung mit der Einbettung in die lokale Gemeinde? Dem geht die Arbeit mit Blick auf christliche Online-Foren nach. Sie beschränkt sich dabei nicht auf Analysen der Online-Diskussionen, sondern stellt mit über 30 qualitativen Interviews und einer quantitativen Erhebung die Perspektive der Nutzer dieser Foren in den Mittelpunkt. Insgesamt zeigt sich: Forennutzung ist vor allem als Strategie der Restabilisierung individueller Religiosität zu verstehen. Ihr Ausgangspunkt sind weniger mediale Eigenschaften des Internets, sondern vielmehr Defizite traditioneller religiöser Angebote, die zu anhaltender Unzufriedenheit oder dem Abbruch der Gemeindeeinbettung führen. Durch die Aneignung individueller religiöser Expertise und Wiedereinbettung in einen Kontext kollektiver Legitimierung von Religiosität vermag die Online-Nutzung hier Ausgleich zu schaffen. Die erarbeiteten Nutzungsmuster und Typen online entstehender Gemeinschaften zeigen Details dieser Prozesse.

Zwischen Salon und musikalischer Geselligkeit

Henriette Voigt, Livia Frege und Leipzigs bürgerliches Musikleben

Mirjam Gerber, Georg Olms Verlag, 2016, S.404, 58€, ISBN 978-3-487-42177-3

Das Phänomen des musikalischen Salons im 19. Jahrhundert wurde bislang oft idealisiert dargestellt. Die Analyse zeitgenössischer Quellen eröffnet einen neuen Blick auf die faszinierende private Musikpraxis der Musikmetropole Leipzig und ihrer Akteure. Am Beispiel der musikalisch professionell ausgebildeten Frauen Henriette Voigt und Livia Frege lernt der Leser die bedeutenden Netzwerke und anspruchsvollen Aufführungsmöglichkeiten kennen, die Bürgerhäuser für Komponisten und Interpreten boten. Mendelssohns Opernfragment „Loreley“, Schumanns „Faust-Szenen“ und Brahms’ Lieder kamen hier ebenso zur Aufführung wie Bachs h-moll-Messe oder Beethovens Kammermusik. Die musikalischen Geselligkeitsformen des 19. Jahrhunderts bilden einen spannenden Kristallisationspunkt des Bürgertums und seiner Musikästhetik. Die Entstehung eines Werkkanons, die Idee einer bildungsorientierten Bürgerlichkeit und die Entwicklung eines öffentlichen Konzertlebens stehen in enger Wechselbeziehung damit. Eine Materialsammlung zu privaten Musikaufführungen in Leipzig mit Repertoireaufstellungen sowie eine lexikalische Untersuchung weiterer Veranstalter vervollständigen die Studie.

Drittwirkung im Unionsrecht

Die Begründung einer Horizontalwirkung allein durch Vorrang und unmittelbare Anwendbarkeit

Sarah Katharina Stein, Nomos Verlaggesellschaft 2016, S.151, 39€, ISBN 978-3-8487-3239-5

Eine vom DAB geförderte Magisterarbeit. - Die Arbeit entwirft eine indigen europarechtliche Lösung zum Problem der unmittelbaren Drittwirkung von primärrechtlichen Normen. Das Phänomen der Wirkung von ursprünglich abwehrrechtlich verstandenen Normen zwischen Privaten stößt häufig auf Kritik, die aus einer Übertragung von nationalstaatlichen, dogmatischen Ansätzen und Sichtweisen auf die europäische Ebene stammen. Die Arbeit untersucht die Rechtsprechungslinien des EuGH zu Grundfreiheiten, allgemeinen Grundsätzen und den Gewährleistungen der Grundrechtecharta sowie den Wortlaut der fraglichen Normen und entwirft eine eigene Theorie, die auf das Konstrukt der Drittwirkung verzichtet. Eine Horizontalwirkung kann nach der hier dargestellten Theorie allein durch die vom EuGH entwickelten und anerkannten Konzepte "Vorrang" und "unmittelbare Anwendbarkeit" begründet werden, ohne dass es einen Rückgriff auf das Konzept der "Drittwirkung" bedarf.

Die Freiheit der Vergebung

Eine freiheitstheoretische Reflexion auf die Prärogative Gottes im sakramentalen Bußgeschehen

Gunda Werner, Pustet Verlag 2016, 387 Seiten, 44 €, ISBN-10: 3791727796, ISBN-13: 9783791727790

Auch in säkularen Gesellschaften verschwindet das humane Bedürfnis nach Vergebung und Versöhnung nicht. Allerdings findet es andere Ausdrucksformen als die katholische Einzelbeichte. Wie kommt es zu dieser Verschiebung? Was lässt sich aus den außertheologischen Vergebungsdiskursen für die theologische Fragestellung gewinnen? Wie ist die Vergebung Gottes im Sakrament der Buße zu verstehen? Ziele dieser Arbeit sind erstens eine theologische Theorie der Vergebung, die sich in den soziokulturellen Kontext eines säkularen Staates und eines postmodernen Lebens hinein vermitteln lässt; zweitens eine dogmatische Begründung des Sakraments der Beichte im Kontext einer pneumatologischen Ekklesiologie. Eine umfangreiche dogmengeschichtliche Aufarbeitung des Bußsakraments in der Neuzeit und eine kritische Hermeneutik sowohl des Konzils von Trient als auch des II. Vatikanums liefern dafür die Basis. Gunda Werner, Dr. theol., geb. 1971, ist Juniorprofessorin für Dogmatik und Leiterin der Abteilung Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Sie wurde 2005 in Münster zum Dr. Theol promoviert und im Wintersemester 2015/2016 mit der vorliegenden Arbeit als erste Frau an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Uni Bochum habilitiert.

UnWohlgefühle

Eine Kulturanalyse gegenwärtiger Befindlichkeiten

Elisabeth Mixa, Sarah Miriam Pritz, Monica Greco, transcript Verlag, 2016, S.267, 29,99€, ISBN 978-3-8376-2630-8

Gegenwärtige westliche Gesellschaften sind von einem Paradoxon gekennzeichnet: Einem gesellschaftlichen Imperativ auf Wohlgefühle korrespondiert eine alarmierende Zunahme an psychischen Leidenszuständen. Burnout, Angstzustände, Depressionen- auch Selbstwahrnehmungen basieren zusehends auf einem therapeutischen Blick. International renommierte Wissenschaftler_innen, darunter Christina von Braun, Monica Greco, August Ruhs und Paul Stenner, gehen in diesem Buch aus transdisziplinärer Perspektive der Frage nach, wie diese Entwicklungen analysiert und erklärbar gemacht werden können.

Schnitzlers "Fräulein Else" und die Nackte Wahrheit

Novelle, Verfilmungen und Bearbeitungen

Alexandra Tacke, Böhlau Verlag, 2015, S. 184, 29,90€, ISBN 978-3-4122-2497-4

Im Zentrum von Arthur Schnitzlers Novelle "Fräulein Else" (1924) steht ein Skandal: Eine junge Frau entkleidet sich öffentlich im Musiksalon eines Hotels. Mit der Nacktszene greift Schnitzler ein Motiv auf, das um die Jahrhundertwende zu einem zentralen Thema avanciert und allseits präsent ist. Enthüllt wird dabei weniger der weibliche Körper als die "Nackte Wahrheit". Schnitzler geht es vor allem um ein Spiel mit der Sprachlosigkeit sowie der schamlosen Enthüllung der (Sprach-)Zeichen. Die zahlreichen Adaptionen und Bearbeitungen in Film, Fernsehen, Hörfunk, Bildender Kunst, Internet und Comic kreisen ebenfalls um diese Darstellungsproblematik, wie die Studie in ausführlichen Einzelanalysen erstmals zeigt.

Die Schriftstellerin Emmi Lewald (1866 - 1946)

Weibliche Autorschaft, Zeitgeist und Literaturmarkt

Ruth Steinberg-Groenhof, Böhlau Verlag, 2015, S. 507, 69,90€, ISBN 978-3-4122-1788-4

Die 1866 geborene Emmi Lewald gehört zu den fast vergessenen Autorinnen des Deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Ihr Interesse galt unterschiedlichen Aspekten der gesellschaftlichen Umbruchsituation um 1900, insbesondere der Alltagsrealität bürgerlicher Frauen und der im Kaiserreich intensiv diskutierten "Frauenfrage". Die Studie untersucht die sozialhistorischen Bedingungen, das Selbstverständnis, die Berufswirklichkeit und die Werke einer bürgerlichen Berufsschriftstellerin, deren Schreiben von der Orientierung am Literaturmarkt, von persönlichen künstlerischen Ambitionen und von den neuen Literaturströmungen der Zeit ebenso bestimmt wurde wie vom Wunsch, den historischen Wandel der Frauenrolle literarisch zu verarbeiten.

Weibliche Genitalbeschneidung im Kontext von Migration

Isabelle Ihring, Budrich UniPress Ltd. Verlag, 2015, S. 192, 26,90€, ISBN 978-3-86388-707-0

Weibliche Genitalbeschneidung ist ein Phänomen, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Wie erleben betroffene Frauen mit somalischer Herkunft die Praktik im Kontext von Migration? Und welchen Blick haben Fachkräfte der Sozialen Arbeit und migrierte somalische Männer auf weibliche Genitalbeschneidung? Insgesamt wird deutlich, dass die Perspektive betroffener Frauen und Männer in der Sozialen Arbeit in Zukunft deutlich mehr berücksichtigt werden muss.

Herstellung von W/O/W-Doppelemulsionen

Untersuchungen zu Tropfenaufbruch und Koaleszenz der inneren Tropfen

Anna Schuch, Verlag Dr. Hut, 2015, S. 214, 45,00€, ISBN 978-3-8439-1647-9

W1/O/W2-Doppelemulsionen besitzen aufgrund ihrer mehrphasigen Struktur Potential für Anwendung in verschiedenen Industriebereichen z.B. zur Verkapselung von Stoffen oder zur Fettreduktion in Lebensmitteln. Die Herstellung dieser Strukturen stellt jedoch noch immer eine große Herausforderung dar. Ziel dieser Arbeit war es deshalb zum einen, den Aufbruch von Doppelemulsionstropfen in verschiedenen Strömungen zu untersuchen und zu beschreiben. Andererseits wurden die während oder direkt nach der Herstellung auftretenden Instabilitäten, die die Struktur der Doppelemulsionen verändern und damit auch deren Funktionalität beeinflussen, untersucht. Mithilfe des grundlegenden Verständnisses der Instabilitätsmechanismen soll es langfristig möglich sein, stabile Doppelemulsionen herzustellen.

Das Charisma der Könige

Zur Konzeption des altorientalischen Königtums im Hinblick auf Urartu

Julia Linke, Harrassowitz Verlag, 2015, S. 344, 48,00€, ISBN 978-3-4471-0349-7

Das altorientalische Reich Urartu mit seinem Zentrum im heutigen Ostanatolien war in seiner Blütezeit (9. bis 7. Jahrhundert v. Chr.) ein ernst zu nehmender Rivale Assyriens. Das Bild, das die zeitgenössischen assyrischen Quellen vom Nachbarn Urartu zeichnen, ist aufgrund der in erster Linie kriegerischen Kontakte zwischen den Reichen zum einen stark tendenziös gefärbt. Zum anderen baut es aber ebenso stark auf dem Selbstbild Assyriens auf und entspricht diesem auch weitgehend – demnach ist Urartu ein zentralisierter Staat, regiert von einem König, aufgeteilt in Provinzen, versehen mit einem differenzierten Beamtenapparat. Die Frage ist, wie weit dieses Bild den tatsächlichen Umständen in Urartu nahekommt und wie in Urartu selbst das Königtum gesehen wird. Schon der Name, den die Urartäer ihrem Land geben, ist ein anderer als der aus Assyrien stammende: Sie nennen es Biainili. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, das urartäische Königtum, sein Selbstbild und die Selbstinszenierung seiner Könige so weit wie möglich aus urartäischen Quellen zu erschließen und des Weiteren mögliche Übernahmen aus anderen altorientalischen Kulturen auszumachen. Dabei geht es insgesamt weniger um die Rekonstruktion vorgeblich „historischer Realitäten“ als vielmehr um eine Annäherung an die ideologische Gedankenwelt des urartäischen Königtums. Fokus und roter Faden der Untersuchung ist stets der König als Amtsperson.

Menschenrechte zwischen moralischer Begründung und politischer Verwirklichung

Eine Neubetrachtung der Adressierung von Menschenrechtspflichten

Daniela Ringkamp, mentis Verlag, 2015, S. 257, 42€, ISBN 978-3-8978-5846-6

Daniela Ringkamp geht in ihrer Studie auf den schon nachgerade als klassisch zu bezeichnenden Umstand ein, dass zwischen der moralischen Begründung und der tatsächlichen Implementierung von Menschenrechten global betrachtet eine große Lücke klafft. Für die Um‑ und Durchsetzung von Menschenrechten sind – darin bezieht sich die Autorin auf das institutionelle Verständnis von Menschrechten nach Thomas Pogge – die Staaten und ihre Institutionen verantwortlich. Menschenrechtsverletzungen verweisen demzufolge immer auf ein institutionelles staatliches Versagen. Das allerdings sei, so Ringkamps Kritik, zu eindimensional gedacht: „Die vorliegende Arbeit wird die von Pogge betonte ausschließliche Adressierung von Menschenrechtsansprüchen an Institutionen in Frage stellen [...]. Stattdessen argumentiert sie dafür, in bestimmter Hinsicht auch einzelne Individuen ohne Bezug zu öffentlichen Institutionen als Adressaten von Menschenrechtsansprüchen zu verstehen.“

Dem kolonialen Blick begegnen

Identität, Alterität und Postkolonialität in den Fotomontagen von Hannah Höch

Denise Toussaint, transcript Verlag, 2015, S. 300, 36,99€, ISBN 978-3-8376-2874-6

Zwischen 1922 und 1931 schafft die Berliner Künstlerin Hannah Höch eine große Reihe an Fotomontagen, in denen sie sich mit der Repräsentation und Rezeption des Fremden im frühen 20. Jahrhundert auseinandersetzt. In ihren Arbeiten formuliert Höch nicht nur ein kritisches Statement zum Primitivismus und zu den westlich-hegemonialen Sichtweisen ihrer Zeitgenossen, sondern stellt auch eine geradezu postkoloniale Forderung nach einer transkulturellen, globalen Kunst auf. Denise Toussaints ausführliche Betrachtung und Neuinterpretation von Höchs Werken im Lichte postkolonialer Theoriebildung fügt der Wahrnehmung der Dadaistin eine bedeutende Facette hinzu und platziert sie in einem international hochaktuellen Forschungsfeld.

Erwachsenenbildung als Diskurs

Eine wissenssoziologische Rekonstruktion (Pädagogik)

Hannah Rosenberg, transcript Verlag, 2015, S. 226, 34,99€, ISBN 978-3-8376-3254-5

Wie funktioniert die Disziplin 'Erwachsenenbildung'? Und wie konstituiert sie ihren Gegenstand? Hannah Rosenberg rekonstruiert die Entstehung von 'Erwachsenenbildung' im binnendisziplinären Diskurs über vier Dekaden, indem sie die bislang unabhängig voneinander existierenden Perspektiven der Wissenschafts- und der Diskursforschung systematisch miteinander verschränkt. Sie zeigt, wie durch Leerstellen und Wiederholungen Identitätsprobleme und Blockaden der Disziplin entstehen konnten. Zugleich verweist die Studie auf die Potenziale und damit auf Perspektiven für die weitere Reflexion und Entwicklung der Erwachsenenbildungswissenschaft.

Celeste Coltellini (1760-1828)

Lebensbilder einer Sängerin und Malerin

Carola Bebermeier, Böhlau Köln Verlag, 2015, S. 336, 44,90€, ISBN 978-3-412-22526-1

Celeste Coltellini war im späten 18. Jahrhundert eine der gefragtesten und bekanntesten Sängerinnen der Opera buffa in Europa. Selbst aus dem gehobenen bürgerlich-intellektuellen Milieu stammend war sie 13 Jahre als Primadonna an verschiedenen europäischen Theatern engagiert, bevor sie 1792 in die wohlhabende Neapolitanische Familie Meuricoffre einheiratete. Illustre Persönlichkeiten der Zeit standen mit ihr in Kontakt und trafen sich in ihrem Salon. Carola Bebermeier setzt sich theoretisch und praktisch mit den Herausforderungen und Fragestellungen der Frauenbiographik auseinander. Als zentrale Quelle dienen ihr die zehn Skizzenbücher Celeste Coltellinis, die deren gleichwertige zeichnerische Begabung erkennen lassen. Mit einem eigenen biographischen Konzept gelingt es der Autorin, Erkenntnis der neueren Biographikforschung in einer narrativen Form fruchtbar zu machen.

Nach dem Primitivismus?

Künstlerische Verhandlungen kultureller Differenz in der Bundesrepublik Deutschland, 1960-1990. Eine Postkoloniale Relektüre (Studien zur visuellen Kultur)

Kea Wienand, transcript Verlag, 2015, S. 364, 37,99€, ISBN 978-3-8376-2492-2

Die im Nationalsozialismus als »entartet« diffamierte Kunst, die auf vermeintlich »primitive Kulturen« referiert, galt in der Bundesrepublik Deutschland als »antifaschistisch«, ohne dass deren Kolonialrassismen reflektiert wurden. Wie aber wurde kulturelle Differenz in der Kunst der Bundesrepublik von 1960 bis 1990 verhandelt? Kea Wienand diskutiert, inwiefern KünstlerInnen wie Joseph Beuys, Sigmar Polke, Ulrike Rosenbach u.a. nach 1960 einen Primitivismus fortgeführt, verändert oder kritisiert haben. Sie zeigt auf, wie über Bilder von kultureller Differenz Vorstellungen von Künstlerschaft, Sexualität, Geschlecht und Geschichte thematisiert werden.

Geschlechtsdiskriminierende Wirtschaftswerbung

Zur Rechtmäßigkeit eines Verbots geschlechtsdiskriminierender Werbung im UWG

Berit Völzmann, Nomos Verlag, 2015, S. 327, 79,00€, ISBN 978-3-8487-1849-8

Die Autorin unterzieht die Problematik geschlechtsdiskriminierender Werbung einer umfassenden rechtlichen Analyse. Sie geht neben der Wirksamkeit der Werbeselbstkontrolle vor allem auf das Verfassungsrecht ein, überträgt die Ergebnisse in das Lauterkeitsrecht und schlägt eine Verbotsnorm im UWG vor.

Wie man mit Worten Dinge erschafft

Die sprachliche Konstruktion fiktiver Gegenstände

Christiane Werner, V&R unipress, 2015, S. 260, 44,90€, ISBN 978-3-8471-0391-2

Die zentrale Fragestellung von »Wie man mit Worten Dinge erschafft« lautet: Wie können fiktionale Äußerungen, wie z.B. das Schreiben eines Romans, beschrieben werden? Es wird dafür argumentiert, dass auch diese sprachlichen Handlungen mit den Mitteln der Sprechakttheorie als Vollzüge sog. illokutionärer Akte beschrieben werden können. Weiter wird die These vertreten, dass Autoren mit diesen Äußerungen fiktive Charaktere erschaffen, die als besondere, nämlich nicht-räumliche Artefakte verstanden werden. Davon ausgehend kann bestimmt werden, dass fiktionale Äußerungen illokutionäre Akte vom Typ der Deklaration sind. Schließlich wird eine Analyse der Teilakte fiktionaler Äußerungen, d.h. der Bezugnahme und Prädikation vorgelegt.

Der geborgte Spiegel

Uniform, Männlichkeit und die photographischen Medien 1870 – 1930

Stella Donata Haag, Kulturverlag Kadmos, 2015, S. 416, 29,80€, ISBN 978-3-8659-9192-8

Sie war auch in Deutschland niemals wirklich weg. Sie hatte sich nur verkrochen in eine Nischenexistenz, von der zivilen Mehrheitsgesellschaft ignoriert oder belächelt: die militärische Uniform. Mit ihrer Rückkehr auf die Straßen und Bildschirme ist der Zeitpunkt gekommen, sie als Bildeffekt zu analysieren, als seit 150 Jahren wirksame sartoriale Körpertechnologie und semiotisches Prinzip. In ihrer Gleichzeitigkeit von semantischem Überfluss und subjektiver Verleugnung wird die Uniform zur Bildstörung. Die Prozesse der Zu-, Um und Überschreibung verdichteten sich mit Hochkonjunktur von Militär, medialer Herrschaftsinszenierung und privater Porträtphotographie im Kaiserreich. Doch Verbreitung und Prestige der Uniform im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert markieren zugleich einen kritischen Punkt in der psychohistorischen Entwicklung der westlichen, in besonderer Weise allerdings der deutschen Gesellschaft. Denn die Uniform war in all ihrem Glanze gerade Symptom einer Krise männlicher Subjektivität, eine Textil gewordene Geste kompensatorischer Frustration im Angesicht der Moderne als Zeitalter der Sichtbarkeit, zu dessen Hauptagenten die photographischen Medien zählen und in besonderer Weise das Kino als paradigmatische Kulturtechnik. Der uniformierte Körper antwortet dem Imaginären und wird sich selbst zum Bild: in dem Hochzeitsphoto des unbekannten Infanterie-Vizefeldwebels um 1911, in den Wochenschaubildern der Kaiserparaden oder in der Portiersuniform in F.W. Murnaus ›Der letzte Mann‹ (1925). Das Kino als der wiedergewonnene Spiegel, als das exhibitionistische wie fetischistische Medium ›par excellence‹ (Metz), wiederholt die illusorische Erfüllungsstruktur der Uniform. Bild und Narration dekonstruieren sich dabei oft gegenseitig, so dass mit den Bildern des Triumphes immer wieder die Geschichte der Kastration erzählt wird und sich im Bannkreis der Uniform Erzählungen ablagern, in denen sich die deviante Lust am männlichen Körper manifestiert. Dabei wird eine Linie erkennbar, die vom ›Hauptmann von Köpenick‹ zu Travis Bickle in ›Taxi Driver‹ (1976) führt, von Berlin vor dem Ersten Weltkrieg nach New York post Vietnam – und darüber hinaus auf die Cover der aktuellen Zeitgeistmagazine, in die Bildwelt der Egoshooter und die Bekennervideos auf Al Jazeera.

Faltenwürfe der Geschichte

Entdecken, entziffern, erzählen

Sandra Maß, Xenia von Tippelskirch (Hrsg.), Campus Verlag, 2014, S. 518, 56,00€, ISBN 978-3-5935-0167-3

Paare, Briefe, Körper, Tanz: Die vielfältigen Beiträge dieses Bands nähern sich mit großem Einfühlungsvermögen der facettenreichen Vergangenheit Europas seit der frühen Neuzeit. Wie durch ein Schlüsselloch geben sie den Blick frei auf ungewöhnliche Alltagsszenen, unerwartete Machtkonstellationen und neu zu deutende Beziehungsgefüge. Die Konzentration auf die Miniatur und das Vergnügen am Erzählen lassen ein vielschichtiges Geschichts- und Menschenbild entstehen – jenseits der einschlägigen Meistererzählungen.

Die versöhnten Bürger

Der Zweite Weltkrieg in deutsch-niederländischen Begegnungen 1945–2000

Christine Gundermann, als Band 13 in der Reihe Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart erschienen, Waxmann Verlag, 2014, S. 470, 49,90€, ISBN 978-3-8309-3129-4

Der Zweite Weltkrieg ist bis heute ein historisches Bezugsereignis für die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland und hat über Jahrzehnte hinweg die Beziehungen beider Staaten zueinander bestimmt. Welche Rolle spielte der Krieg aber jenseits der Außenpolitik und medialer Zuschreibungen in konkreten Begegnungen von Bürgerinnen und Bürgern beider Staaten nach 1945? In der vorliegenden Studie werden zivilgesellschaftliche Kontakte anhand von acht Mikrostudien in unterschiedlichsten Feldern untersucht. Die Autorin zeigt auf diese Weise ein neues Feld grenzüberschreitender bürgerlicher Erinnerungskulturen jenseits nationaler Geschichtspolitik auf, in dem auf vielfältige Weise Formen der Versöhnung verhandelt wurden. Solche Begegnungserinnerungen hatten jedoch nicht zwangsläufig eine Aufarbeitung der schmerzhaften Vergangenheit zur Folge. Die hier vorgestellten transnationalen zivilgesellschaftlichen Versöhnungsbemühungen eröffnen damit neue Einsichten in die deutsch-niederländischen Nachkriegsbeziehungen.

Deutsche Frauen in den Südsee-Kolonien des Kaiserreichs

Alltag und Beziehungen zur indigenen Bevölkerung, 1884 – 1919

Livia Loosen, transcript Verlag, 2014, S. 675, 49,99€, ISBN 978-3-8376-2836-4

Die Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs ist kurz und endete mit dem 1. Weltkrieg. Seine Kolonien befanden sich vor allem in Afrika. Wenn wir an deutsche Kolonien denken, steht Südwestafrika, das heutige Namibia, ganz oben in unserer Erinnerung. Aber auch in der Südsee gab es einige Inseln, die deutsche Kolonien waren.

Auch in der deutschen wissenschaftlichen Literatur spielt vor allem die Beschäftigung mit den afrikanischen Kolonien eine Rolle. Die Südsee-Kolonien waren eine Nebensache. Livia Loosen hat mit ihrer Doktorarbeit besonders in Bezug auf die Rolle der deutschen Frauen in den deutschen Kolonien der Südsee einen bedeutenden Beitrag zur Kolonialgeschichte erstellt.

Durch ihre umfangreichen Recherchen stand ihr unter anderem bisher unbekanntes, nicht veröffentlichtes Primärmaterial aus Privatbesitz zur Verfügung. Die Informationen aus den vielen Briefen und Berichten der deutschen Frauen in den Südsee-Kolonien, sei es an die Verwandtschaft oder auch an die sie entsendenden kirchlichen Missionen oder weltlichen Hilfsorganisationen wurden in dieser Arbeit hervorragend aufgeschlüsselt, wobei allerdings Wiederholungen nicht ausbleiben konnten. Bestimmte Aussagen und Beschreibungen können eben verschiedenen Analysekategorien zugeordnet werden.

Aber durch die vielen, verschiedenen Analyseaspekte wird der Alltag der Frauen in der Südsee sehr transparent. Beim Lesen dieser über 600 Seiten starken Dissertation darf man nicht vergessen, dass es eine historische Arbeit ist, keine sozialwissenschaftliche. Es geht nicht um Frauenrechte , nicht um Emanzipation, sondern um die Darstellung weiblicher Lebenswelten in ausgesprochen dienender Funktion, die von den Frauen selbst gewählt wurde und völlig dem Zeitgeist entsprach. Dabei thematisiert die Verfasserin diese Grundeinstellung der Frauen immer wieder und weist auf das weitgehende Fehlen von emanzipatorischen Gedanken bei den Frauen hin. Das Rollenverständnis aller deutschen Frauen in den Südsee-Kolonien war dem traditionellen europäischen Frauenbild des Bürgertums verhaftet: Die Frau als Dienerin des Mannes und als seine Gefährtin.

Alle die Frauen, die Schriftliches hinterlassen haben, waren offensichtlich noch nicht mit den Gedanken der deutschen Frauenbewegung, wie sie sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten, in Berührung gekommen. Diese Gedankenwelt war ihnen offensichtlich fremd. Sie wird von keiner Frau thematisiert.

Insofern bietet das Buch von Livia Loosen einen guten Einblick in die Denk- und Verhaltensweisen der meist bürgerlichen Frauen aus dem deutschen Mittelstand, die in die Südsee als Ehefrauen, Missionsangehörige, Krankenschwestern oder Lehrerinnen reisten. Es ist darüber hinaus auch ein guter Beitrag zu Denk- und Verhaltensweisen von deutschen Frauen des Mittelstandes überhaupt. Es ist aber kein Beitrag zum Aufbruch der Frauen in die Gleichberechtigung. Diesen Anspruch stellt die Autorin auch nicht. Sie will eine historische Wissenslücke schließen und das ist ihr sehr gut gelungen.

Dr. Vera Gemmecke-Kaltefleiter

Gruppe Kiel

Akt und Anstand

Der Skandal um den Gustav Graef Prozess, Berlin 1885

Dagmar Reese, Böhlau Verlag, 2014, S. 175, 24,90€, ISBN 978-3-412-22250-5

Als im März 1885 in Berlin der angesehene Maler und Professor an der Königlich Preußischen Akademie der Künste, Gustav Graef, verhaftet wurde, war dies ein Schock. Man warf ihm vor, mit seinem langjährigen Künstlermodell, Bertha Rother, ein sexuelles Verhältnis unterhalten und darüber vor Gericht gelogen zu haben. Ein halbes Jahr saßen der Künstler, die junge Frau, ihre Schwester und ihre Mutter in Haft, bevor sie Ende September 1885 vor Gericht gestellt und freigesprochen wurden. Der Prozess, von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften beobachtet und kommentiert, wurde zum Skandal weit über Berlin hinaus. Mit einer dichten Beschreibung dieses Falles gibt Dagmar Reese Einblicke in die sich modernisierende Gesellschaft in der deutschen Hauptstadt am Ende des 19. Jahrhunderts.

Scham in der schulischen Sexualaufklärung

Eine pädagogische Ethnographie des Gymnasialunterrichts

Sara-Friederike Blumenthal, Springer Verlag, 2014, S. 172, 34,99€, ISBN 978-3-6580-6879-0

Im Kontext von unterschiedlichen psychologischen Konzepten erläutert die Verfasserin den Begriff Scham und grenzt ihn von Schuld, Peinlichkeit und Verlegenheit ab. In der Einleitung heißt es dazu: „Die Dateninterpretation zeigt fallübergreifend, dass Lehrende die Praxis der Beschämung in der Sexualaufklärung als Erziehungsmittel nutzen. Sie zeigt aber auch, dass SchülerInnen Lehrenden gegenüber Beschämung ausüben. Es wird deutlich gemacht werden, dass Beschämung nicht nur durch Erniedrigung oder Ausgrenzung einzelner Personen oder Personengruppen ausgeübt werden kann. Auch schulische Arrangements, wie etwa die thematischen Gliederung der Unterrichtsinhalte oder die Darstellung von Körpern in der Sexualaufklärung transportieren Aussagen über soziale Ordnungen.“ Gegenstand der Forschung waren Kommunikationsprozesse in der schulischen Sexualaufklärung. Die Verfasserin hat dazu vier Gymnasialklassen in Berlin beim Sexualkundeunterricht begleitet Aus den Unterrichtsnotizen, den Video- und Tonaufzeichnungen, sowie den Interviews fließen viele Originalzitate in den Text ein. Aus der Interpretation der Ergebnisse zieht die Autorin praxisrelevante Folgerungen, die für eine große Zielgruppe bedeutsam sind.

(Dr. med. Patricia Aden)

Zwischen Suffering und Styling

Die lange Reise nigerianischer Migrantinnen nach Europa

Kristin Kastner, als Band 53 in der Reihe Beiträge zur Afrikaforschung erschienen, LIT Verlag, 2014, S. 320, 29.90€, ISBN 978-3-6431-1673-4

Diese Studie widmet sich den Lebenswelten nigerianischer Migrantinnen im Grenzraum der Meerenge von Gibraltar. Aus einer körperethnologisch orientierten Perspektive nähert sie sich den Grenzerfahrungen der Frauen auf ihrer langen Reise nach Europa. Ihre Körper spielen dies- und jenseits der Meerenge eine zentrale Rolle: Oft Objekt von Leid und Gewalt, ist der Körper in einem flüchtigen Leben unter meist klandestinen Verhältnissen zugleich auch letzte Ressource und entscheidendes Kapital, anhand dessen das Navigieren der Frauen zwischen äußeren Zwängen und individuellem Handlungspotential deutlich wird.

Akt und Anstand

Der Skandal um den Gustav Graef Prozess, Berlin 1885

Dagmar Reese, Böhlau Verlag, 2014, S. 175, 24,90€, ISBN 978-3-4122-2250-5

Als im März 1885 in Berlin der angesehene Maler und Professor an der Königlich Preußischen Akademie der Künste, Gustav Graef, verhaftet wurde, war dies ein Schock. Man warf ihm vor, mit seinem langjährigen Künstlermodell, Bertha Rother, ein sexuelles Verhältnis unterhalten und darüber vor Gericht gelogen zu haben. Ein halbes Jahr saßen der Künstler, die junge Frau, ihre Schwester und ihre Mutter in Haft, bevor sie Ende September 1885 vor Gericht gestellt und freigesprochen wurden. Der Prozess, von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften beobachtet und kommentiert, wurde zum Skandal weit über Berlin hinaus. Mit einer dichten Beschreibung dieses Falles gibt Dagmar Reese Einblicke in die sich modernisierende Gesellschaft in der deutschen Hauptstadt am Ende des 19. Jahrhunderts.

Die Form des Chaos

Bild und Erkenntnis in der komplexen Dynamik und der fraktalen Geometrie

Nina Samuel, mentis Verlag, 2014, S. 551, 78€, ISBN 978-3-7705-5776-9

In den letzten Jahrzehnten haben die bildgebenden Möglichkeiten des Computers zum vieldiskutierten »Pictorial Turn« – der Wende zum Bild – in den Naturwissenschaften geführt. Mit dem öffentlichkeitswirksamen Auftritt der Bilder von Chaos und fraktaler Geometrie sowie ihrer breiten Popularisierung ab Mitte der 1980er-Jahre erfasste dieser Trend auch die Mathematik und damit diejenige Disziplin, die als »Reich des reinen Denkens« traditionell für ihre Bilderskepsis bekannt war. Die Bilder dieses Forschungsfelds werden in der vorliegenden Studie zum ersten Mal bildtheoretisch reflektiert und diskutiert. Im Zentrum stehen Arbeitsmaterialien aus privaten Bildarchiven von Mathematikern und Physikern. Eine besondere Rolle spielt dabei die Handzeichnung als Denkform, die auf der Schwelle zum digitalen Medienumbruch eine neue Schwungkraft gewinnt.

Caribbeanness as a Global Phenomenon

Junot Díaz, Edwidge Danticat, and Cristina Garcia

Rebecca Fuchs, WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, 2014, S. 298, 26,50€, ISBN 978-3-8682-1533-5

Die Karibik ist räumlich, historisch, kulturell, ethnisch und sprachlich eine ‚Grenzregion‘. Räumlich stellt sie sowohl einen Knotenpunkt zwischen Nord-, Süd- und Mittelamerika dar als auch eine Verbindung zwischen Neuer und Alter Welt, da die Kolonialisierung in der Karibik begann. Historisch trafen im Verlauf der Kolonialisierung zahlreiche Kulturen und Ethnien aufeinander und vermischten sich in Kreolisierungsprozessen. Gemeinsam ist allen karibischen Kulturen die Erfahrung der Kolonialzeit und Sklaverei, die von Gewalt und Ausbeutung geprägt waren. Die Dissertation fußt auf dem Argument, dass aus dieser Geschichte eine kollektive karibische Identität hervorging, die sogenannte ‚Caribbeanness‘. Diese äußert sich vor allem darin, dass die Menschen gelernt haben, mit gewaltsamen Erfahrungen umzugehen und zu überleben, was sich bis heute in kreativen Werken in Kunst, Literatur und Musik niederschlägt. Diese kreativen Strategien werden in der Studie herausgearbeitet, denn sie sind über den karibischen Kontext hinaus wertvoll. Die Karibik produziert Wissen und Lösungsstrategien für komplexe Probleme wie Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Traumatisierung, die auch in anderen kulturellen Kontexten angewendet werden können und von dem das westliche Wissenssystem profitieren kann. Dadurch wird gezeigt, dass die Karibik nicht nur von globalen Einflüssen geprägt ist, sondern dass karibisches Denken und Wissen global relevant sind, wodurch eine Wechselbeziehung zwischen der Karibik und den ehemaligen (Neo-)Kolonialmächten betont wird.

Untersucht werden zwei Romane und ein Kurzgeschichtenzyklus von zwei karibischen Diasporaautorinnen und einem Diasporaautor, die in den U.S.A. leben. Sie sind Grenzgänger zwischen den Kulturen und kennen die Karibik ‚von Innen‘, aber nehmen auch eine distanziertere Außenperspektive ein. Ihre literarischen Werke werden in Dialog mit karibischer Theorie gelesen, die in der westlichen Forschung bislang nicht als gleichwertig in Bezug auf westliche Theorie akzeptiert wird. Dadurch werden auch die Grenzen zwischen Literatur und Theorie überschritten, denn die karibischen Texte erzählen Geschichten und theoretisieren gleichzeitig. Ein Beispiel ist die Verwendung von verschiedenen Erzählsituationen in den Texten. Der zentrale Ich-Erzähler in Díaz‘ Roman The Brief Wondrous Life of Oscar Wao, der keine anderen Figuren zu Wort kommen lässt, kann noch so vehement gegen den Diktator anschreiben; er bleibt bis zu einem gewissen Punkt selbst autoritär. Dadurch werden Strategien notwendig, die die Machtposition des Erzählers schwächen, zum Beispiel andere Versionen einer Geschichte, die der Erzähler selbst in Form von Intertexten (Anspielungen auf andere literarische Werke) einfügt.

In karibischer Diasporaliteratur spielt das Thema Gender in Bezug auf Grenzüberschreitungen eine zentrale Rolle. Der Protagonist Oscar in Junot Díaz‘ Roman kämpft beispielsweise mit seiner Rolle als dominikanischer Mann, von dem Machogehabe, Stärke und mitunter sogar Gewaltbereitschaft erwartet wird. Opfer dieser Rollenverteilung sind die Frauen im Roman, Oscars Mutter Beli, seine Schwester Lola und seine Geliebte Ybón, die verprügelt, vergewaltigt, gedemütigt und vertrieben werden, sobald sie sich nicht rollenkonform verhalten. Dennoch überschreiten alle Figuren im Roman die ihnen auferlegte Grenze zwischen den Geschlechtern und rebellieren gegen die Machtstrukturen der diktatorischen und vormals kolonialen Kontrollinstanzen. Anstatt ein Macho zu werden, bevorzugt Oscar science fiction und wird Schriftsteller. Als er sich in die Prostituierte Ybón verliebt, setzt er sein Leben aufs Spiel, um sie der Kontrolle eines typischen Machos zu entreißen. Auch wenn er dabei am Ende sein Leben verliert, erzählt sein Freund Yunior seine Geschichte und schreibt sie fort, indem er selbst gegen diktatorische Machtstrukturen anzuschreiben, die er auch in sich selbst vorfindet. Dieser Akt der Sichtbarmachung und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen werden als dekoloniale Befreiungsstrategien gelesen, die die noch anhaltende Macht des Diktators aufbrechen.

Das Denken und Wissen ‚subalterner‘, marginalisierter Kulturen oder ethnischer Gruppen bietet eine neue, erweiternde Perspektive, die die Stellung des westlichen Wissens als zentrales, universelles System, das eng mit politischer und wirtschaftlicher Macht gekoppelt ist, herausfordert. Dadurch wird bewusst gemacht, dass westliches Wissen nur eine lokale Wissensform unter vielen ist, die nicht global für alle Kulturen angewendet werden kann. Damit einher gehen sozialer und politischer Wandel, denn bisher marginalisierte Kulturen werden nicht mehr nur als ‚Untersuchungsobjekte‘ angesehen, sondern als Subjekte, die selbst Wissen produzieren. Diese ‚Dekolonialisierung‘ des Wissens und Denkens ist essentiell, um noch immer auf Kolonialität basierende Machtstrukturen aufzubrechen und die Unabhängigkeit der ehemals Kolonisierten von politischer zu epistemischer Freiheit auszuweiten. Darüber hinaus ist das Ziel die Kreolisierung des Wissens, ein Dialog auf Augenhöhe zwischen in diesem Fall U.S.-amerikanischem/europäischem und karibischem Wissen. Karibische Diasporaliteratur und Theorie als Orte der Wissensproduktion bieten auch für andere kulturelle Kontexte Lösungsansätze, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Vom Dialog zwischen verschiedenen kulturellen Wissenssystemen auf Augenhöhe profitieren alle, denn er bietet Strategien, die auf komplexe Problemfelder in unterschiedlichen globalen Kontexten angewendet werden können.

Im Konsens 3/2015 erschienen

Fotografie und „Identität“

Visuelle Repräsentationspolitiken in künstlerischen Arbeiten der 1980er und 1990er Jahre

Kerstin Brandes, transcript Verlag, 2014, S. 288, 34,80€, ISBN 978-3-8394-1586-3

Als ein zentrales Medium der visuellen Repräsentation von »Identität« hat die Fotografie in den letzten drei Jahrzehnten einen zunehmend wichtigen Platz auch in künstlerischen Projekten erhalten. Kerstin Brandes fragt nach Möglichkeiten einer emanzipatorischen visuellen Politik und zeigt, wie die Verknüpfung postkolonialer und feministischer Theorien mit Theorien der Fotografie neue Blickweisen auf die Bilder eröffnet.

Künstlerische Arbeiten von Barbara Kruger, Carrie Mae Weems, Lorna Simpson u.a. werden dabei nicht als zu analysierende Objekte, sondern als Herausforderung für ebendiese Theorien diskutiert. Der Band bietet zudem eine kritische Revision des gegenwärtigen fotografischen Diskurses.

Politische Partizipation und Repräsentation von Frauen in Serbien

Stefanie Friedrich, als Band 13 in der Reihe Studien zur Geschichte, Kultur und Gesellschaft Südosteuropas erschienen, LIT Verlag, 2014, S. 392, 49,90€, ISBN 978-3-6431-2365-7

Wie gestalteten sich die politischen Partizipationsmöglichkeiten von Frauen in Serbien seit 1945? In welchem Verhältnis steht ihre steigende politische Repräsentation zu den Demokratisierungsprozessen seit dem Jahr 2000? Und wie beeinflussen kulturelle, sozioökonomische, rechtliche und institutionelle Faktoren ihre politische Teilhabe? In dieser Studie wird zunächst aufgezeigt, wie sich die politische Partizipation und Repräsentation von Frauen während des jugoslawischen Sozialismus und während der vom Nationalismus geprägten Zeit der Jugoslawienkriege gestalteten. Im Fokus steht dann die politische Teilhabe von Frauen in Serbien in den ersten zehn Jahren nach dem Sturz Milosevi'cs.

Resonant Alterities

Sound, Desire and Anxiety in Non-Realist Fiction

Sylvia Mieszkowski, transcript Verlag, 2014, S. 402, 36,99€, ISBN 978-3-8376-2202-7

»Resonant Alterities« bridges the gap between sound studies and literary criticism. A queer ghost story by Vernon Lee, an occultist novel of psychic adventure by Algernon Blackwood, a dystopian science fiction tale by J.G. Ballard and a post-traumatic short novel by Don DeLillo are its primary objects of analysis. Each is explored within the context of its contemporary cultural debates on sound. Meanwhile, all four theory-enriched readings focus on intersecting and desire-laden processes of meaning making, knowledge production and subject formation. Focal points are aurally/audio-visually structured phenomena expressive of both collective and individual anxieties.

Ausschluss und Zugehörigkeit

Polnische jüdische Zwangsmigration in Schweden nach dem Zweiten Weltkrieg

Izabela A. Dahl, Metropol-Verlag, 2013, S. 406, 29,90€, ISBN 978-3-8633-1108-7

Nach dem Zweiten Weltkrieg und noch einmal forciert durch die antisemitische Kampagne 1968 in Polen verließen viele Jüd_innen das Land. Ein wichtiges Aufnahmeland war Schweden. Izabela A. Dahl analysiert in ihrer historisch-kulturwissenschaftlichen Studie die politischen und kulturellen Verhältnisse der Jahre 1945–1946 und 1968–1972 im Herkunfts- wie auch im Aufnahmeland. Im Zentrum der Arbeit stehen die Identitätskonstruktionen der polnischen jüdischen Zwangsmigrant_innen im Schweden der Nachkriegszeit und die Frage, inwiefern die jeweiligen historischen Umstände die Konstruktion von Identität beeinflussen und verändern. Dabei untersucht die Autorin, wie der historische Kontext, der zur Migration der polnischen Jüd_innen geführt hat, in der Forschung, in den Medien und in den Institutionen verhandelt wird. Die Studie basiert auf umfangreichen Archiv- und Presserecherchen sowie Interviews mit Zwangsmigrierten und gibt neue Einblicke in polnisch-jüdische, schwedisch-jüdische und schwedisch-polnische Beziehungen nach 1945.

Ausgräberinnen, Forscherinnen, Pionierinnen

Ausgewählte Porträts früher Archäologinnen im Kontext ihrer Zeit

Jana Esther Fries, Doris Gutsmiedl-Schümann (Hrsg.), als Band 10 in der Reihe Frauen – Forschung – Archäologie erschienen, Waxmann Verlag, 2013, S. 288, 24,90€, ISBN 978-3-8309-2872-0

Die ersten Archäologinnen waren im doppelten Sinne Pionierinnen. Sie leisteten wichtige Anteile an der Entwicklung ihrer akademischen Fächer und übernahmen zudem auf Ausgrabungen, in Museen und Universitäten für Frauen in der damaligen Zeit ganz ungewöhnliche Aufgaben. Im zehnten Band der Reihe Frauen – Forschung – Archäologie wird plastisch dargestellt, was es für Frauen ab Mitte des 19. Jahrhunderts hieß, Archäologin zu sein. Die Haltungen von Familien und sozialem Umfeld zu den grabenden und forschenden Frauen werden ebenso geschildert wie Förderung und Behinderung durch eine männlich geprägte Fachwelt, die Schwierigkeiten, die es den Frauen bereitete, Archäologie und Familie unter einen Hut zu bringen und die dauerhafte Würdigung in der Fachgeschichte. Von der frühesten sächsischen Archäologin über Pionierinnen der Klassischen Archäologie in den USA und Großbritannien bis zur ersten Professorin in der Türkei werden Porträts von 19 Frauen gezeichnet, von denen jede auf ihre Weise archäologisches Neuland erschloss.

Wanderungen

Migrationen und Transformationen aus geschlechterwissenschaftlichen Perspektiven

Annika McPherson, Barbara Paul, Sylvia Pritsch, Melanie Unseld, Silke Wenk (Hrsg.), transcript Verlag, 2013, S. 240, 28,80€, ISBN 978-3-8376-2220-1

Menschen, Dinge und Konzepte sind weltweit in Bewegung geraten. Welche Effekte haben diese vielfältigen Wanderungsbewegungen zwischen Kulturen und Disziplinen auf politisches Handeln und auf die wissenschaftliche Praxis? Wie lassen sich die unterschiedlichen Migrations- und Transformationsprozesse in Bezug auf Geschlechterverhältnisse analysieren? Die inter- und transdiziplinären Beiträge dieses Bandes (aus Kultur-, Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften) nehmen nicht nur die Migration von Menschen, sondern auch die von kulturellen Artefakten sowie von Ideen und Konzepten in den geschlechterwissenschaftlichen Blick.

Hotel Glamour

Venezolanische Transformistas in Europa

Katrin Vogel, Campus Verlag, 2013, S. 316, 39,90€, ISBN 978-3-5933-9963-8

Trans, Prostituierte, Migrantinnen ohne geregelten Aufenthaltsstatus - das Leben venezolanischer Transformistas in Europa verläuft in einer körperlichen, legalen und räumlichen Grauzone. Transformistas verstehen sich als männlich Geborene, die ihre Körper zu hyperfemininer Schönheit formen, weil sie Männer begehren. Ihren Traum von Europa, vom großen Geld und Hedonismus verwirklichen sie, indem sie die Nachfrage nach Transprostituierten auf dem europäischen Sexmarkt bedienen. Im "Hotel Glamour" in Barcelona hat Katrin Vogel den Alltag der Transformistas jenseits des Straßenstrichs geteilt. Entstanden ist die Ethnografie einer Lebenswelt, die sich zwischen dem prekären "Hier und Jetzt" in Europa und dem Wunsch nach einem Eigenheim an der Karibikküste Venezuelas aufspannt.

Ornamente der Fassade in der europäischen Architektur seit den 1990er Jahren

Uta Caspary, Jovis Verlag, 2013, S. 336, 35€, ISBN 978-3-8685-9233-7

Abwechselnd gefeiert und verurteilt, zugleich historisch rückgebunden wie zukunftsweisend, ist das Ornament eine wesentliche, nicht selten unterschätzte Vokabel der Architektursprache. Dieses Buch fächert den Ornamentdiskurs seit dem 19. Jahrhundert aus kulturhistorischer Sicht auf und nutzt ihn als Hintergrund für eine umfassende Darstellung und Analyse der gegenwärtigen Ornamenttheorie und -praxis. Dabei stehen die kommunikative Qualität und die ästhetische Faszination von aktuellen Fassaden-Ornamenten im Mittelpunkt. Zahlreiche Beispiele veranschaulichen ein großes Spektrum ornamentaler Erscheinungsformen, das von regionalen Traditionen und Vorlagen der bildenden Kunst über den Formenschatz der Natur bis hin zu den bewegten Licht-Ornamenten der Digitalfassaden reicht. In seiner Verbindung von Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte ist dieser Beitrag zur Ornamentdebatte im 21. Jahrhundert wegweisend.

Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus

Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966)

Annika Spilker, Campus Verlag, 2013, S. 447, 49,90€, ISBN 978-3-5933-9987-4

Die Ärztin, Frauenrechtlerin und antisemitische Theoretikerin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff war eine der umstrittensten Figuren der Weimarer Republik. Gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann, dem General und Politiker Erich Ludendorff, führte sie den nationalistischen "Tannenbergbund" und gründete den völkisch-religiösen Verein "Deutschvolk", von dem noch heute Nachfolgeorganisationen bestehen. Die Autorin analysiert die komplexen Kommunikationszusammenhänge, in denen Mathilde von Kemnitz-Ludendorff ihre radikalen Erneuerungs- und Erlösungskonzepte bis in die frühen 1930er- Jahre entwickelte. Dabei werden sowohl der medizinhistorische Kontext als auch die Bezüge zur Frauenbewegung in einer kultur- und geschlechtergeschichtlichen Zusammenschau berücksichtigt.

Effects of multiple abiotic stressors on the species and genetic biodiversity of littoral Cladocera in two types of acidic habitats in Germany: hard-water mining lakes and soft-water bog lakes

Maria Belyaeva, Shaker Verlag, 2013, S. 172, 48,80 € , ISBN 978-3-8440-2391-6

In der Vergangenheit konzentrierte sich die ökologische Forschung über saure Seen auf Weichwasserseen, während Lebensgemeinschaften in natürlichen oder künstlichen sauren Hartwasserseen kaum untersucht wurden. Die Dissertation behandelt die Effekte multipler abiotischer Stressoren auf die Arten- und genetische Diversität litoraler Cladoceren in zwei unterschiedlichen Typen saurer Gewässer: Hartwasser-Tagebauseen und Weichwasser-Moorseen.

Bonyatsi

Heirat, Status und Beziehungsstrategien in einem südafrikanischen Township

Katrin Schaumburg, als Band 34 in der Reihe Kölner ethnologische Studien erschienen, LIT Verlag, 2013, S. 296, 29,90€, ISBN 978-3-6431-2205-6

Mit dem vorliegenden Buch stellt die Autorin die bevorzugte Beziehungsstrategie einer bestimmten Gruppe von Frauen im Township Mamelodi vor: Bonyatsi. Obwohl Eheschließungen einen hohen sozialen Status versprechen, entschließen sich diese Frauen dazu, eine Beziehung mit einem gut situierten, aber bereits verheirateten Mann einzugehen. Die Autorin zeigt mittels zahlreicher Lebensgeschichten und qualitativer Interviews, wie bonyatsi den Frauen ermöglicht, agency zu entwickeln und ihren Platz in der hoch stratifizierten südafrikanischen Gesellschaft mitzubestimmen

Neubesetzungen des Kunst-Raumes

Feministische Kunstausstellungen und ihre Räume, 1972-1987

Monika Kaiser, transcript Verlag, 2013, S. 298, 35,80€, ISBN 978-3-8376-2408-3

Wie stehen Kunst und weibliche Emanzipation in Zusammenhang? Mit einem Spannungsbogen von den hochpolitischen Anfängen feministischer Künstlerinnenausstellungen am Anfang der 1970er Jahre bis zu deren subversiven Ausläufern Mitte der 1980er Jahre stellt Monika Kaiser internationale Projekte wie Womanhouse (Judy Chicago), Magna Feminismus und Kunst mit Eigen-Sinn (Valie Export) sowie sechs weitere exemplarische Ausstellungen in einen neuen, am Raum orientierten Bedeutungszusammenhang. Unveröffentlichtes Quellenmaterial ermöglicht die Rekonstruktion konkreter Ausstellungsräume und gibt Einblick in einen bislang unterschätzten Teil emanzipatorischer Ausstellungskultur.

Virilismus und Kälte

Mentalitäten, Habitusformen und poetische Metaphorik bei Gottfried Benn

Phuong Duong, Mensch und Buch Verlag, 2013, S. 278, 39,90€, ISBN 978-3-8638-7343-1

Gegenarchive

Bäuerliche Autobiographik zwischen Zarenreich und Sowjetunion

Julia Herzberg, transcript Verlag, 2013, S. 496 43,99€, ISBN 978-3-8376-2136-5

Gewalttätig, naiv und stumm – nach der Aufhebung der Leibeigenschaft 1861 galt diese Charakterisierung des russischen Bauern nicht mehr. Der Bauer wurde zum Symbol für eine in Bewegung geratene Gesellschaft. In Autobiographien und Tagebüchern erzählten Bauern ihre Leben als Sklaven, Autodidakten oder religiös Erweckte und eroberten eine Leserschaft, die in diesen Texten neben dem vermeintlich ›echten‹ Bauern auch alternative Gesellschaftsentwürfe fand. Julia Herzberg analysiert Entstehungssituationen, Publikation und Überlieferung dieser einzigartigen Quellen bis zur Kollektivierung der 1930er Jahre, die mit der bäuerlichen Autonomie auch das Erzählen über das eigene Leben erstickte.

Erfolgreiches Charakterdesign für Computer- und Videospiele

Solveigh Jäger, Springer V.S., 2013, S. 284, 39,99€, ISBN 978-3-6580-2625-7

Computerspiele sind ein rasant wachsendes Massenmedium, das unsere Kultur und Gesellschaft heute entscheidend prägt und beeinflusst. Die Analyse virtueller Spielfiguren und die Auseinandersetzung mit ihrer Bedeutung sind aber bislang wenig erforscht, obwohl Charaktere zu den Schlüsselkomponenten von Spielen gehören. Solveigh Jäger gibt einen umfassenden Einblick in die komplexe Welt der digitalen Spielfigur, als interaktives Pixelbild und verbindenden, realen Bestandteil unserer Kultur und Gesellschaft. Sie zeigt, dass ein erfolgreiches Charakter-Design ein medienpsychologisches Verständnis über den Spieler als Rezipienten voraussetzt. Die Grundregeln des menschlichen Verhaltens wirken sich direkt auf den virtuellen Repräsentanten in der digitalen Welt aus und beeinflussen die Wahrnehmung des Spielers in Abhängigkeit von seinem Typus, Geschlecht und dessen Kultur.

Soziale Dimensionen visueller Kommunikation in hoch- und spätmittelalterlichen Frauenkommunitäten

Stifte, Chorfrauenstifte und Klöster im Vergleich

Katharina Ulrike Mersch, V&R unipress, 2012, S.514, 80€, ISBN 978-3-89971-930-7

Inwiefern prägte die Ordenszugehörigkeit den Werthorizont mittelalterlicher Frauenkommunitäten? Diese Frage diskutiert Katharina Ulrike Mersch aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive anhand von Zeugnissen visueller Kommunikation. Auf Basis von Luhmanns Systemtheorie entwickelt sie eine kommunikationshistorische Methode der Bildinterpretation. Diese ermöglicht, die Beziehungen der Frauenkommunitäten zur Kirche, den Orden, anderen Konventen sowie zur laikalen Bevölkerung in einer komparativen Langzeitstudie gegeneinander abzuwägen. Um einen Beitrag zur Ordensforschung zu leisten, werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten behandelt, die sich dabei in den verschiedenen kanonikalen und monastischen Lebensentwürfen ergeben. In dieser Hinsicht erweisen sich fünf Themenkomplexe – Wissensvermittlung, Osterkult, Eucharistiedevotion, weltliche Bildinhalte und Medien der Kontemplation – als besonders aussagekräftig und werden bevorzugt behandelt.

Soziale Beziehungen im Migrationsverlauf

Brasilianische Frauen in Deutschland

Sabina Stelzig-Willutzki, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2012, S. 276, 42,99€, ISBN 978-3-5311-8572-9

Sabina Stelzig-Willutzki untersucht den Einfluss sozialer Beziehungen auf die eigenständige Migration von Frauen am Beispiel von Brasilianerinnen in Deutschland. Sowohl die Bedeutung der Kontakte zu anderen brasilianischen Migranten und Migrantinnen, als auch die Kontakte zu Personen und (binationalen) Netzwerken im Zielland der Migration werden analysiert. Die Autorin zeigt, dass soziale Beziehungen Migrationsverläufe nicht nur durch Informationen und instrumentelle Hilfen beeinflussen können, sondern auch durch Prozesse ethnischer Stereotypisierungen.

„…eine Mischung von Sinnlichkeit und Witz…“

Ironische Inszenierung der Geschlechter in Heinrich Heines „Lutezia“

Anne Stähr, Aisthesis Verlag, 2012, S. 236, 29,80€, ISBN 978-3-8952-8922-4

Heinrich Heines Lutezia ist erst in der jüngeren Heine-Forschung wieder in den literaturwissenschaftlichen Fokus gerückt. Die Untersuchung der Ironie in Heines Texten stellt dagegen eine langjährige Forschungstradition dar. Worin aber besteht die Funktion des Ironischen für die Geschlechterinszenierungen bei Heine? Und welche Bezüge zum (Wissens-)Diskurs über Geschlecht in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellt Heines Feuilleton her? Anne Stähr nimmt diese Schnittstellen in den Blick und macht die Kategorie ‚Gender‘ für die Lutezia produktiv.

Soziale Dimensionen visueller Kommunikation in hoch- und spätmittelalterlichen Frauenkommunitäten

Stifte, Chorfrauenstifte und Klöster im Vergleich

Katharina Ulrike Mersch, V&R Unipress, 2012, S. 514, 79,99€, ISBN 978-3-8997-1930-7

Inwiefern prägte die Ordenszugehörigkeit den Werthorizont mittelalterlicher Frauenkommunitäten? Diese Frage diskutiert Katharina Ulrike Mersch aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive anhand von Zeugnissen visueller Kommunikation. Auf Basis von Luhmanns Systemtheorie entwickelt sie eine kommunikationshistorische Methode der Bildinterpretation. Diese ermöglicht, die Beziehungen der Frauenkommunitäten zur Kirche, den Orden, anderen Konventen sowie zur laikalen Bevölkerung in einer komparativen Langzeitstudie gegeneinander abzuwägen. Um einen Beitrag zur Ordensforschung zu leisten, werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten behandelt, die sich dabei in den verschiedenen kanonikalen und monastischen Lebensentwürfen ergeben. In dieser Hinsicht erweisen sich fünf Themenkomplexe Wissensvermittlung, Osterkult, Eucharistiedevotion, weltliche Bildinhalte und Medien der Kontemplation als besonders aussagekräftig und werden bevorzugt behandelt.

Habitus, Herkunft und Positionierung

Die Logik des Journalistischen Feldes

Klarissa Lueg, Springer V.S., 2012, S. 264, 32,99€, ISBN 978-3-5311-9569-8

Klarissa Lueg geht der Frage nach dem Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Hierarchie im journalistischen Feld nach. Dabei wird grundsätzlich die Herkunft von ChefredakteurInnen und JournalistenschülerInnen und die Bedeutung dieser sozialen Herkunft für Berufszugang und Positionierungsstrategien erläutert. Es wird deutlich, dass nicht nur die Karrierewege der untersuchten Gruppen selbst ein herkunftsspezifisches Muster aufweisen, sondern dass auch die Verteilung und Zuweisung von Macht im journalistischen Feld eng mit der Herkunft ihrer TrägerInnen verbunden ist.

Weltnaturschutz

Umweltdiplomatie in Völkerbund und Vereinten Nationen 1920-1950

Anna-Katharina Wöbse, Campus Verlag, 2012, S. 364, 39,90€, ISBN 978-3-5933-9434-3

Als der Völkerbund 1920 in Genf seine Tätigkeit aufnahm, stand auch der Naturschutz auf der Tagesordnung. Probleme wie die Meeresverschmutzung durch Öl erforderten internationale Verhandlungen, der Planet Erde wurde als fragiler Gemeinschaftsraum sichtbar. Anna-Katharina Wöbse stellt die Debatten zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren und hoher Diplomatie dar und legt offen, dass daraus neben der Idee des »Weltnaturerbes« auch zahlreiche bis heute gültige Schutzabkommen hervorgingen.

Zeitgeschichte als Geschlechtergeschichte

Neue Perspektiven auf die Bundesrepublik

Julia Paulus, Eva-Maria Silies, Kerstin Wolff (Hrsg.), in der Reihe Geschichte und Geschlechter erschienen, Campus Verlag, 2012, S. 336, 39,90€, ISBN 978-3-5933-9742-9

In der Zeitgeschichte herrscht die These einer fortschreitenden Emanzipation der Frauen seit den 1950er-Jahren vor. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich freilich ein anderes Bild. Anhand von Themenfeldern wie »Beruf und Familie«, »Sexualitäten und Körper« und »Partizipation und Protest« wird in diesem Band die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik einer geschlechterhistorischen Analyse unterzogen. Dabei wird deutlich, dass sich gesellschaftlich tief verwurzelte Vorstellungen zu den Geschlechterrollen nur langsam verändern - egal, ob in Zeiten der Stagnation oder eines dynamischen Wandels.

Sprache Macht Geschlecht

Sprachpolitik als Geschlechterpolitik. Der Fall Frankreich

Jutta Hergenhan, Ulrike Helmer Verlag, 2012, S. 278, 29,95€, ISBN 978-3-8974-1345-0

Jutta Hergenhan zeigt auf, dass die Geschlechterungleichstellung in der französischen Sprache ein historisches Phänomen ist, das seinen Ursprung in der Frühen Neuzeit nahm. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stellten sich gleichzeitig auch die Weichen für eine spätere Geschlechtertrennung in der Politik, wobei sprachliche Entwicklungen keine unbedeutende Rolle spielten. Die heutige französische Gleichstellungspolitik zielt auf Parität der Geschlechter in Politik und Sprache. Dabei gibt es jedoch unterschiedliche Wege, wie der Vergleich mit den französischsprachigen Landesteilen Kanadas, Belgiens und der Schweiz zeigt.

Moralpolitik und Religion

Bedingungen politisch-religiöser Kooperation in Polen, Italien und Spanien

Anja Hennig, Ergon Verlag, 2012, S. 473, 30€, ISBN 978-3-8991-3912-9

Moralpolitik ist ein konfliktreiches Feld, in dem unvereinbare Wertvorstellungen aufeinander prallen. Beispielhaft sind die hier untersuchten Debatten um die rechtliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen und künstlicher Befruchtung sowie um die Anerkennung homosexueller Partnerschaften; sensible Themen, zu denen die katholische Kirche eindeutig Position bezieht. Daher provozierten Forderungen nach einer liberalen Handhabe insbesondere in katholischen Ländern während der letzten zwanzig Jahre heftige Kontroversen. Moralpolitik ist daher auch ein Feld, in dem Religion und Politik besonders sichtbar aneinander geraten, oder sich - wie dieses Buch zeigt - gegenseitig stützen. Eingebettet in die säkularisierungskritische Diskussion legt das Buch eine vergleichende Analyse der genannten moralpolitischen Konflikte in Polen, Italien und Spanien zwischen 1990 und 2010 vor. Die Autorin geht der Frage nach, weshalb sich diese katholischen Länder in ihrer moralpolitischen Gesetzgebung unterscheiden: Warum setzte sich in Spanien die "Homo-Ehe" sowie eine liberale Handhabe von Abtreibung durch? In Polen und Italien waren hingegen jene erfolgreich, die eine politische Anerkennung homosexueller Paare ablehnten und die reproduktiven Rechte von Frauen einschränkten. Zur Klärung dieser Frage untersucht die Autorin das jeweilige Zusammenspiel bestimmter Facetten von Religion und Politik im Verlauf der Konflikte. Ihre Ergebnisse weisen dabei deutlich über die Länderstudien hinaus.

Literarische Aneignung und künstlerische Transformation

Zur Literaturrezeption im Werk von Marcel Broodthaers

Viola Hildeberand-Schat, Schreiber Verlag, 2012, S. 368, 49€, ISBN 978-3-8896-0127-8

„Der vorliegenden Untersuchung ist die Bereitschaft des Lesers zu wünschen, den in Broodthaers’ Œuvre angelegten beweglichen Fluchtlinien und Strömungen nachzuspüren, insbesondere denjenigen, in die er Literatur und bildende Kunst, Geschichte und Gegenwart, Theorie und Praxis hineinzuziehen verstand. Dafür liefert dieses Buch die vielfältigsten Ansatzpunkte und Querverweise.“

Gregor Stemmrich

Santería und ihre Globalisierung in Kuba

Tradition und Innovation in einer afrokubanischen Religion

Claudia Rauhut, Egon Verlag, 2012, S. 340, 42€, ISBN 978-3-8991-3946-4

Die Dissertation untersucht Akteur/innen, Praktiken und Konfliktfelder der transnationalen Vernetzung der afrokubanischen Religion Santería. Entstanden aus dem religiösen Erbe westafrikanischer Sklaven/innen und des iberisch-kolonialen Katholizismus ist sie heute die populärste Religion in Kuba. Durch kubanische Migrant/innen, globale Kulturindustrien und Tourismus gelangte die Santería in die USA, die Karibik, nach Lateinamerika und Europa. Die lokale Religionspraxis vollzieht sich seit den 1990er Jahren zunehmend in nationen- und grenzüberschreitenden Räumen und wird durch reziproke Verpflichtungen innerhalb transnationaler Ritualfamilien gestützt. Claudia Rauhut hat basierend auf qualitativen Feldforschungen zwischen 2004 und 2007 in Havanna die Neuverhandlung von Macht, Tradition und Innovation im transnationalen religiösen Feld Kubas analysiert. Sie arbeitet historische, soziale, ökonomische und politische Faktoren der Transnationalisierung der Santería und ihre Konfliktfelder heraus. Diese behandeln Deutungskämpfe um die Ausrichtung der Ritualpraxis, um religiöse Institutionalisierung und ethische Normierung, um widerstreitende Traditionsbezüge zwischen Kuba und Afrika, neue Geschlechterrollen sowie veränderte Beziehungen zwischen afrokubanischen Religionen und katholischer Kirche. Santería-Praktizierende Kubas und ihr Expertenkampf zielen auf die Kontrolle eines unausweichlichen Religionswandels in einem globalisierten Setting ab. Darin geht es um Teilhabe und Integration in globale religiöse Entwicklungen einerseits und Selbstbehauptung einer Souveränität im lokalen Religionshandeln andererseits.

Der Nationalsozialismus im Film

Von Trimp des Willens bis Inglourious Basterds

Sonja M. Schultz, Bertz + Fischer Verlag, 2012, S. 560, 29€, ISBN 978-3-8650-5314-5

Das Kino war ein entscheidender Ort nationalsozialistischer Selbstdarstellung, und der Film hat sich seit den faschistischen Propaganda-Bildern unablässig mit dem Nationalsozialismus befasst: mit den Nazis und Hitler, mit dem Holocaust, dem Vernichtungskrieg, mit Widerstand und Befreiung. Wieder und wieder wird die Vergangenheit, die sich nicht bewältigen lässt, inszeniert: in Spielfilmen, Satiren, Dokumentarfilmen, als Holocaust-Drama, Science-Fiction, Trashfilm oder Doku-Soap, im Kino, im Fernsehen und im Internet.

Sonja M. Schultz wagt eine Gesamtschau von über 80 Jahren NS im Film, von den 1930ern bis heute. Wie ändern sich die Bilder durch die Jahrzehnte, wie unterscheiden sie sich etwa in den USA, Deutschland, Osteuropa oder Israel? Und wie sind sie verzahnt mit den zeitgeschichtlichen Diskussionen um Täterschaft und Verleugnung, Erinnerung und Opfergruppen, nationale Selbstdefinition und staatliche Geschichtspolitik?

Vokale Intensitäten

Zur Ästhetik der Stimme im postdramatischen Theater

Jenny Schrödl, transcript Verlag, 2012, S. 318, 35,80€, ISBN 978-3-8376-1851-8

Theaterstimmen faszinieren. Wenn auf der Bühne lauthals geschrien, exzessiv geflüstert oder chorisch gesprochen wird, dann erhalten Stimmen eine auffällige Präsenz im Raum und rufen beim Publikum starke sinnlich-affektive Eindrücke hervor. Im Zentrum dieses Buches, das durch eine CD-ROM mit Theaterszenen ergänzt wird, stehen solche Situationen vokaler Intensität. Anhand zahlreicher Beispiele (u.a. Castorf, Gotscheff, Perceval, Pollesch, Schleef) wird die Sprechstimme im postdramatischen Theater hinsichtlich Materialität, ästhetischer Erfahrung und Ko-Präsenz analysiert und damit erstmals systematisch in Bezug auf ihre besondere Ästhetik untersucht. Die Studie liefert dadurch einen grundlegenden Beitrag zur Aufführungstheorie und -analyse sowie zur Stimm- und Performativitätsforschung.

Grenzüberschreitungen: Die Türkei im Spiegel deutschsprachiger Literatur

Ver-rückte Topografien von Geschlecht und Nation

Petra Heinrichs, Aisthesis Verlag, 2011, S. 462, 39,80€, ISBN 978-3-8952-8860-9

Gefragt wird in der vorliegenden Studie nach literarischen Strategien, die die Türkei als territorialen Bezugsraum inszenieren. In der abendländischen Geistesgeschichte markiert sie eine Grenze zwischen Europa und Asien und zugleich die Unmöglichkeit, kategoriale Grenzverläufe wie die zwischen Okzident und Orient, Eigenem und Fremdem/Anderem eindeutig zu ziehen. Innerhalb dieser Unterscheidungsmodelle reflektiert jede Rede vom Einen/Eigenen notwendig ein/etwas Anderes. Diese Spiegelung durchzieht die hinsichtlich des Entstehungszeitraumes, des Genres und der thematischen Ausrichtung äußerst unterschiedlichen Texte und Filme. Die Textauswahl beginnt bei der weiblichen Orientreiseliteratur des 19. Jahrhunderts und mündet in der polyphonen Vielfalt der Gegenwartsliteratur. Durch die Rekonstruktion kultureller Repräsentationssysteme und die Analyse darin Verwendung findender Schreibverfahren von Unterwerfung, Verwerfung und Subversion werden Ver-rückungen sichtbar und neue Räume der Interpretation eröffnet.

Methodik und Didaktik in der Ägyptologie

Herausforderungen eines kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsels in den Altertumswissenschaften

Alexandra Verbovsek, Burkhard Backes, Catherine Jones (Hrsg.), Wilhelm Fink Verlag, 2011, S. 783, 132€, ISBN 978-3-7705-5185-9

Für die ägyptologische Methodik und Didaktik stellt der gegenwärtige kulturwissenschaftliche Paradigmenwechsel eine besondere Herausforderung dar. In 38 Beiträgen werden die vielfältigen epistemologischen Schwierigkeiten, aber auch die Chancen diskutiert, die sich aus dem kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel ergeben. Aus dem Gespräch von Ägyptologie, Kultur-, Geschichts- und Religionswissenschaft, Linguistik, Archäologie und Museologie ergeben sich neue Perspektiven. Nicht zuletzt gelingt es den Beiträgen Impulse für die Entwicklung fachübergreifender Fragestellungen der verschiedensten kulturwissenschaftlichen Diskurse zu geben.

Kritik des narrativen Selbst

Von der (Un)Möglichkeit der Selbsttechnologien in der Moderne. Eine Erzählung

Tanja Prokic, als Band 6 in der Reihe Literatur, Kultur, Theorie erschienen, Ergon Verlag, 2011, S. 260, 39€, ISBN 978-3-8991-3844-3

Das Selbst steht heute ohne Frage im Mittelpunkt sämtlicher Reflexionen: da lautet es, man solle sich auf sich ‚selbst' besinnen, seine Beziehung zu sich ‚selbst' pflegen, ‚Selbst'verantwortung übernehmen, oder gar der Manager seiner ‚Selbst' werden. Soziale Netzwerke, Lebenslauf, Krankenakten, Fingerabdrücke, DNS-Datenbanken etc. rücken das Selbst in den Fokus des Interesses. Allen gleichermaßen unterliegt ein unüberhörbarer Imperativ, der von uns verlangt, Individuum zu sein und uns als solches narrativ über eine Lebensgeschichte verfügbar zu machen. Was aber heißt es, Individuum zu sein? Warum brauchen wir eine Lebensgeschichte? Warum müssen wir uns unentwegt mit uns selbst beschäftigen? Wie aus dem Zirkel der Selbstthematisierung aussteigen? Als ein praxisfähiger Umgang mit dem Aufruf zur Selbstbeschäftigung wurden zahlreich von der Rezeption Michel Foucaults Untersuchungen zu den Technologien des Selbst ("Formen, in denen das Individuum auf sich selbst einwirkt und sich selbst zum Kunstwerk macht") erörtert. Eine analytische Korrelation sozialer Zeitverhältnisse im Anschluss an Niklas Luhmann und Armin Nassehi mit den dadurch erwachsenden Anforderungen an das Individuum legt die Technologien des Selbst jedoch als ein gesellschaftliches Funktionserfordernis offen, das sich im Zuge medialer Revolutionen und damit korrelierender gesellschaftsstruktureller Umwälzungen sehr schnell und unter den Füßen der Individuen zu ändern vermag.

Innovationspolitik in Mexiko

Leitbilder, Akteure und Interaktionen

Patricia Graf, Nomos Verlag, 2011, S. 312, 54€, ISBN 978-3-8329-6159-6

Einerseits hat Mexiko interessante und innovative Instrumente zur Förderung von Unternehmensgründungen, Industrieforschung sowie public-private partnerships eingeführt. Andererseits ist die Unternehmensproduktivität gering und Lernprozesse finden vor allem auf der Basis von im Ausland erworbenem Wissen und damit innerhalb des engen Rahmens von Lizenzverträgen statt. Der vorliegende Band untersucht, inwiefern diese Schwächen auch den politischen Strukturen in der mexikanischen Innovationspolitik geschuldet sind. In zwei Fallstudien zu Innovationsclustern in den Staaten Jalisco und Guanajuato wird gezeigt, dass die Politikverflechtung im Politikfeld Innovation sowohl die Möglichkeiten zur Kooperation als auch zur Blockade bietet. Der Band leistet damit auch einen theoretischen Beitrag zur politikwissenschaftlichen Innovationsforschung.

Vielfältiges Verstehen

Wege der Bibelauslegung im 18. Jahrhundert

Hanna Kauhaus, Evangelische Verlagsanstalt , 2011, S. 352, 38€, ISBN 978-3-3740-2886-3

Im Zeitalter der Aufklärung vollziehen sich in Bibelwissenschaft und Exegese wesentliche Umbrüche. Dass die aber nicht geradlinig auf die Entstehung historisch-kritischer Bibelauslegung zulaufen, zeigt diese Studie. In einem exemplarischen Querschnitt untersucht Hanna Kauhaus 27 Auslegungstexte auf den methodischen Umgang der Autoren mit dem jeweiligen Bibeltext und auf dessen implizite theologische und philosophische Voraussetzungen. Um die beiden Königsberger Immanuel Kant und Johann Georg Hamann wird ein geistiges Cluster konstruiert, zu dem neben wenig bekannten Theologen aus dem lokalen Umfeld auch Sigmund Jacob Baumgarten, Johann David Michaelis, Johann Caspar Lavater und Edward Young gehören. Analyse und Vergleich der Beispiele zeigen, wie sich die Auslegungen durch ihr Verhältnis zu den Parametern Sprache, Geschichte, Dogmatik, Philosophie und Erfahrung charakterisieren lassen. Die Autorin wurde 2010 mit dieser Arbeit im Fach Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universtät Jena promoviert.

Körper Gabe

Ambivalente Ökonomien der Organspende

Mona Motakef, transcript Verlag, 2011, S. 268, 29,80€, ISBN 978-3-8376-1631-6

Obwohl bei einer Organspende dem Körper Teile entnommen werden, gilt sie nicht als Tabu, sondern vielmehr als Inbegriff einer guten Tat. Medizin und Bioethik diagnostizieren, dass es von diesen guten Taten zu wenige gibt und diskutieren, wie der Organmangel überwunden werden kann. Mona Motakef entreißt dieser Perspektive jene Selbstverständlichkeit, die nur nach Optimierung fragt. Im Rückgriff auf das soziologische Instrumentarium aus Gouvernementalitäts-, Körper- und Gabenforschung rekonstruiert sie, wie die Verfügbarkeit von Körpern und die Veräußerbarkeit von Subjekten im biopolitischen Diskurs der Organspende verhandelt wird.

Reinheit und Vermischung

Literarisch-kulturelle Entwürfe von "Rasse" und Sexualität (1900-1930)

Eva Blome, Böhlau Verlag, 2011, S. 330, 44,90€, ISBN 978-3-4122-0682-6

Eva Blome setzt sich in ihrer umfassenden Dissertation erstmalig aus literaturwissenschaftlicher Perspektive mit den interdiskursiven Transformationen des Themas ‚Rassenmischung‘ im deutschen kolonialen Kontext auseinander. Die Autorin nimmt den Einsatz der ‚Rassenmischung‘ als biopolitische und poetologische Argumentationsfigur in den Fokus, indem sie die deutschsprachige Kolonialliteratur um 1900 und die Kunst und Literatur des europäischen Primitivismus behandelt und sich abschließend mit den Kultur- und Rassentheorien der Weimarer Republik beschäftigt. Zentrale Verdienste des Buches liegen darin, dass eine Forschungsnische gefüllt und weiterführende Forschungsfragen zum Thema ‚rassisch‘ transgressiver Sexualität aufgeworfen werden.

Stages of Agency

The Contributions of American Drama to the AIDS Discourse

Astrid Haas, Universitätsverlag Winter, 2011, S. 334, 38€, ISBN 978-3-8253-5873-0

'Stages of Agency' is the first monograph to analyze the contributions of American stage drama to the discourse on AIDS in the United States from the mid-1980s through the late 1990s. This discourse provides a telling example of how the arts can become agents in socio-political debates. As the study shows, theater and drama played a unique role in educating the American public about AIDS, offering support for the sick and the grieving, and intervening in the mainstream societal perceptions and representations of the epidemic. Taking some of the best-known American AIDS plays as exemplary case studies, 'Stages of Agency' maps the diachronic development of this body of work in its increasing thematic, formal, and identity political heterogeneity. The study analyzes the strategies these plays employed to blend art with activism in order to establish a counter-discourse to the mainstream public debate about AIDS and provide social agency to the affected populations.

Andere Räume

Soziale Praktiken der Raumproduktion von Drag Kings und Transgender

Nina Schuster, transcript Verlag, 2010, S. 328, 29,80€, ISBN 978-3-8376-1545-6

Raum und Gesellschaft bedingen einander. Doch was prägt den Raum, wie wird er hergestellt? In dieser ethnographischen Studie wird Raumproduktion erstmalig aus der Perspektive sozialer Praktiken erforscht und mit heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit in Verbindung gebracht. Am Beispiel der Heterotopie der Drag-King- und Transgender-Szene werden körper- und interaktionsbezogene Aspekte von Raumproduktion und Geschlechtskonstruktion, die Materialität und der sozialhistorische Kontext von Orten und Räumen sowie die Rolle sozialer Normen für die Raumproduktion beleuchtet. Nina Schuster zeigt, dass Raumproduktion immer ein unabgeschlossener, in Aushandlung befindlicher, facettenreicher sozialer Prozess ist.

Psychopolitik

Macht, Subjekt und Arbeit in der neoliberalen Gesellschaft

Alexandra Rau, Campus Verlag, 2010, S. 450, 36,90€, ISBN 978-3-5933-9304-9

Die Subjektivität von Arbeitskräften ist in den letzten Jahren von Unternehmen als Produktivfaktor entdeckt worden. Beschäftigte sollen und können sich mit ihrer ganzen Person und Erfahrung in den Arbeitsprozess einbringen. Im Anschluss an Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität untersucht Alexandra Rau die damit verbundenen neuen Formen der Macht, die weniger durch Zwang und Kontrolle als durch Anreize und Freiräume operieren. Zur Charakterisierung dieses neuen Machttypus entwickelt sie unter Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse den Begriff der Psychopolitik: Erst durch die Entstehung der modernen Psyche und damit korrespondierender Kämpfe konnte sich eine neue Regierungsweise herausbilden, die die neoliberale Gesellschaft insgesamt kennzeichnet.

Ausgezeichnet mit dem WISAG-Preis für die beste Dissertation an der Goethe-Universität Frankfurt am Main zum Thema "Gesellschaftlicher Zusammenhalt"

Slotvergabe an deutschen und europäischen Flughäfen

Rechtspositionen und aktuelle Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung des Slothandels

Tabea Glemser, Duncker & Humblot Verlag, 2010, S. 295, 68€, ISBN 978-3-4281-3388-8

Die Vergabe wirtschaftlich interessanter Slots zu den Hauptverkehrszeiten bestimmt neben Faktoren wie Sicherheit und Service den Wettbewerb im Luftverkehr. Ziel der Arbeit ist eine Darstellung, Analyse und Beurteilung des gegenwärtig praktizierten Systems der Slotvergabe sowie eine rechtliche Beurteilung der in der Diskussion stehenden Möglichkeiten zur effizienteren Nutzung der Slots. Die Frage nach der Rechtsnatur eines Slots und nach möglichen Ansprüchen der Fluggesellschaften, der Flughafenbetreiber und der öffentlichen Hand bilden neben weiteren Fragen, die sich aus dem angestrebten Handel mit Slots ergeben, den Kern der Untersuchung. Die Autorin widmet sich insbesondere dem Eigentumsrecht und dem Recht auf chancengleiche und diskriminierungsfreie Teilhabe, insbesondere auch in Bezug auf die den Fluggesellschaften eingeräumten Großvaterrechte und einen sachgerechten Ausgleich zwischen alteingesessenen Anbietern und Neubewerbern.

Mystisch-hermetische Aspekte im Kunstdenken der russischen Dichter des Absurden

Lisanne Sauerwald, als Band 4 in der Reihe Literatur, Kultur, Theorie erschienen, Ergon Verlag, 2010, S. 439, 52€, ISBN 978-3-8991-3812-2

Dieses Buch bietet eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse der Autoren russischer absurder Literatur, die der spätavantgardistischen Künstlergruppe OBERIU (Ob''edinenie Realnogo Iskusstva - Vereinigung der Realen Kunst) angehörten: Igor' Bachterev, Konstantin Vaginov, Nikolaj Zabolockij, Daniil Charms und Aleksandr Vvedenskij. Im Mittelpunkt stehen dabei die mystisch-hermetischen Aspekte im Denken und Schreiben der OBERIU-Autoren, insbesondere von Daniil Charms und Aleksandr Vvedenskij. Unter Berücksichtigung ihrer Verbindung zum geheimbündlerischen Freundeskreis der "Cinari", dem auch der Kinderbuchautor Nikolaj Olejnikov sowie die zwei Philosophen Jakov Druskin und Leonid Lipavskij angehörten, stellt dieses Buch eine Zusammenschau und Gesamtdarstellung der literarisch-philosophischen Aspekte russischer absurder Literatur dar. Die Untersuchung mystisch-hermetischer Motive und stilistischer Merkmale offenbart dabei wesentliche Unterschiede, aber auch Parallelen zu Autoren westlicher absurder Literatur, die oftmals als nihilistisch-atheistisch gekennzeichnet wurden. Müssten die Becketts und Ionescos angesichts ihrer russischen Vorgänger rückwirkend nicht neu gelesen werden? Zu diesen und weiteren Überlegungen regt diese sorgfältig recherchierte Studie eines Stücks zwischenzeitlich vergessener russischer Literaturgeschichte an.

Europarechtliche Grenzen für die nationale Gesetzgebung im Bereich des Electronic Commerce

Eine Untersuchung anhand der deutschen Umsetzung der Fernabsatz-Richtlinien sowie der E-Commerce-Richtlinie

Isabell Schultze, Nomos Verlag, 2010, S. 565, 98€, ISBN 978-3-8329-5452-9

Der Regelungsgehalt einer Richtlinie zur Angleichung der mitgliedstaatlichen Rechtsnormen kann durch die nationalen Gesetzgeber teils strenger umgesetzt werden. Praktisch relevant ist die Feststellung der europarechtlichen Grenzen des nationalen Legislativspielraums bei der Normierung solcher Schutzverstärkungen. Diese Schranken und Befugnisse bei der Umsetzung werden am Regelungsgegenstand des E-Commerce konkret herausgearbeitet. Neben der Reichweite strengerer nationaler Schutzstandards zur Fernabsatz-RL, Fernabsatz-RL für Finanzdienstleistungen und E-Commerce-RL wird der aktuelle Richtlinienvorschlag über Rechte der Verbraucher untersucht. Die Autorin berücksichtigt auch schon den Reformvertrag von Lissabon. Das Buch zeigt auf, inwieweit bestehende deutsche Schutzverstärkungen dem Europarecht widersprechen oder jedenfalls europarechtskonform interpretiert werden müssen. So ist 355 Abs. 2 S. 2 BGB als Umsetzungsnorm zur Fernabsatz-RL für Finanzdienstleistungen in seiner gegenwärtigen Form nicht zulässig. Zum gleichen Ergebnis kommt die Autorin im Hinblick auf den Richtlinienvorschlag über Rechte der Verbraucher. Die Verfasserin ist Mitautorin am Nomos-Verbraucherrechts-Kommentar der Herausgeber Tonner/Tamm.

Aus den Dunkelkammern der Moderne

Destruktivität und Geschlecht in der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts

Karoline Künkler, Böhlau Verlag, 2005, S. 512, 64,90€, ISBN 978-3-4121-8005-8

Ein zerrüttetes Paar - in zersetzender Bildsprache gezeichnet von Francisco de Goya; ein Lustmord - von George Grosz mit verletzender Feder in Papier geritzt; eine trauernde Mutter im stillen Duell mit ihrem Lebensgefährten - ausgetragen mit gemalten Schnitten von Hannah Höch: Anhand solcher und anderer Beispiele zeigt das Buch auf, welche Formen das Zerstörerische innerhalb der Bildenden Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts annehmen kann. Es geht um die Schattenseiten der westlichen Kultur, der auch die Künstler und ihre Werke angehören. Weil die Neubestimmung des Geschlechterverhältnisses in der Moderne nur unvollständig vollzogen wurde, eröffneten sich den künstlerischen Avantgarden immer wieder Spielräume für rückläufige Tendenzen, für Gewaltverehrung und Zerstörungsakte. Das Buch bietet kultur- und sozialhistorisch eingebettete Analysen von Bildwerken und Performances und vermittelt einen umfassenden Blick auf die kunstspezifischen Formen männlicher und weiblicher Destruktivität.

Die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg 1936 - 1939

Angela Berg, Klartext-Verlag, 2005, S. 306, 29,90€, ISBN 978-3-8986-1418-4

Leidenschaften, Emotionen und Irrationalität prägen bis heute den Blick auf den Spanischen Bürgerkrieg und die Internationalen Brigaden. Dazu zählt sowohl das Bild der Internationalen Brigaden als antifaschistische Helden, wie auch die Auffassung, dass es sich bei ihnen um moskauhörige Söldner gehandelt habe. Ziel des Buches ist, einen entscheidenden Beitrag zur Versachlichung und Entmythologisierung dieses kontrovers diskutieren Themas zu leisten. Dabei stehen die Mechanismen der Herausbildung dieser Truppe aus zusammen gewürfelten Freiwilligen, ihre internen Auseinandersetzungen sowie die vielfältigen Beziehungen zu ihrer Umgebung im Mittelpunkt. Zum anderen stellt die Untersuchung die Lebenswirklichkeit der einfachen Soldaten und die Handlungsmöglichkeit der Führung dar; so kommt das Buch einer inneren Wirklichkeit der internationalen Brigaden auf die Spur, die bislang unbeachtet blieb. Die Studie versteht sich darüber hinaus als Baustein für die Erforschung der Geschichte der kommunistischen Arbeiterbewegung. Ansprüche und Wirklichkeit der kommunistischen Ideologie und ihrer historischen Handlungsträger werden innerhalb der Internationalen Brigaden dechiffriert und analysiert. Konkreter als bisher und ohne Vorbehalte fragt Angela Berg nach den Zielen deutscher kommunistischer Entscheidungsträger in Spanien, wie sie diese zu realisieren versuchten und auf welche Grenze sie dabei stießen.

Vokale Performancekunst als feministische Praxis

Meridith Monk und das künstlerische Kräftefeld in Downtown New York, 1964-1979,

Marie-Anne Kohl, transcript Verlag, 2016, S. 427, 39,99€, ISBN 978-3-8376-3223-1

Als Meredith Monk 1964 im Alter von 22 Jahren nach Downtown New York kam, tauchte sie in ein sich gerade neu formierendes Netzwerk innovativer Künstler_innen ein, die die Kunst und das Kunstverständnis in den USA und darüber hinaus tiefgreifend veränderten uns bis heute prägen. Die vokale Performancekunst, als deren Pionierin Monk gilt, war eine der vielzähligen Kunstformen, die hier ihren Anfang fanden. Anhand bisher größtenteils unveröffentlichten Archivmaterials stellt Marie-Anne Kohl erstmalig die Entwicklung von Monks Arbeiten dar, deren singuläres Schaffen bislang wissenschaftlich kaum untersucht wurde. Sie analysiert das künstlerische Kräftefeld Downtown und die feministische Performancekunst, die in musikwissenschaftlichen Abhandlungen zur experimentellen Musik der 1960er Jahre bislang so gut wie ignoriert wurden. Begleitende Stadtpläne bieten detailreiche Informationen über die zahllosen Räume Downtowns und visualisieren due beschriebene künstlerische Entwicklungen und Netzwerke.

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