Sie befinden sich hier:  > Aktuelles  > Pressemitteilungen

Es gilt, auch strukturelle Benachteiligungsgründe abzubauen für Partizipation und Gleichstellung - z.B. in der Wissenschaft:

Der DAB nimmt die aktuelle Debatte um Geschlechterparität in den Parlamenten von Bund und Ländern zum Anlass, um auf die ebenfalls dringende Aufgabe der Beseitigung struktureller Nachteile für Frauen hinzuweisen.

Ein wesentliches strukturelles Problem, das nicht genügend politische Beachtung findet, sehen wir in unsicheren Arbeitsverhältnissen und prekären Erwerbsformen, wie sie in einer wachsenden Zahl von Berufsfeldern und leider in sehr ausgeprägter Form auch in Wissenschaft und Forschung verbreitet sind.

Auch eine paritätische Besetzung der Parlamente würde nicht gewährleisten, dass die sehr heterogenen Lebenslagen von Frauen - insbesondere derjenigen, die Erwerbs-, Erziehungs- und Sorgearbeit vereinbaren - in einer repräsentativen Weise abgebildet würden. Denn die Betroffenen haben neben all diesen Aufgaben oft nur wenig Zeit, Kraft und Gelegenheit, sich politisch in ihrem eigenen Interesse oder für ihre Familien zu engagieren.

Dabei sind Frauen von vielen Problemen und Herausforderungen, die unsere moderne Konsum- und Arbeitsgesellschaft prägen, häufiger, direkter und intensiver betroffen als Männer. Dazu gehört, dass Frauen statistisch über deutlich längere Lebensphasen einer größeren beruflichen Unsicherheit ausgesetzt sind: Frauen arbeiten überdurchschnittlich häufig in atypischen und sozialrechtlich schlechter abgesicherten Jobs, insbesondere in Teilzeit und oder befristeten Tätigkeiten.

In keinem anderen Berufsfeld in Deutschland sind Befristungen und prekäre Teilzeitjobs so stark verbreitet wie an den Universitäten und Forschungseinrichtungen, und das, obwohl hier eine abgeschlossene Berufsausbildung und weitergehende Qualifikationen die Regel sind.

Unsichere Arbeitsverhältnisse schaffen Abhängigkeiten und Limitierungen, die innovativen Forschungsansätzen und der Freiheit der Meinungsäußerung entgegenstehen. Sie reduzieren auch  den Raum für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer Erwerbsarbeit und Sorge für andere unter einen Hut bringen möchte, kann sich nicht ständig für den nächsten „Gig", die nächste Bewerbung, die nächste Publikation oder die nächste große Deadline für den Drittmittelantrag bereit halten. Wissenschaftler*innen haben die niedrigste Geburtenrate von allen Berufsgruppen in Deutschland (fast 50 % der Frauen und 42 % der Männer bleiben kinderlos, wünschen tun sich dies nur 12 %).

Der Deutsche Akademikerinnen Bund vertritt die Ansicht, dass in den unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und der mangelnden Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren ein wesentlicher Grund für die strukturelle Benachteiligung von Frauen in Wissenschaft und Forschung liegt. Eine zentrale Stellschraube für mehr Gleichstellung und Chancengerechtigkeit zwischen den Geschlechtern liegt daher in einer deutlichen Steigerung von unbefristeten Arbeitsverhältnissen im Wissenschaftsbereich und einer Wiederherstellung des quasi nicht mehr existenten Mittelbaus an den Universitäten und Forschungseinrichtungen. Wichtig wäre auch eine Erhöhung der Grundfinanzierung und Reduzierung des Anteils an Drittmitteln, die eingeworben werden müssen, sowie paritätisch aufgestellte Gutachtergremien in den Geberinstitutionen (DFG;  Stiftungen etc.). Insgesamt sollten vor allem Mütter in ihrer Karriere stärker gefördert werden, nicht nur in der Familienphase, sondern auch danach (mehr Zeit geben, späte Aufstiege möglich machen). Dies wäre auch ein wesentlicher Schritt, um die spezifischen Erfahrungen und Perspektiven von Frauen mit Familienverantwortung gezielter in die wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte einzubringen.
Im Einzelnen siehe Stellungnahme.

Für den Arbeitskreis Frauen in Politik & Wirtschaft im Deutschen Akademikerinnenbund e.V. (DAB),: Erdmute Geitner (Sprecherin), Sandra Reuse und Patricia Roncoroni,  Sigmaringer Str. 1, 10713 Berlin;
www.dab-ev.org/; email gro.ve-bad@ofni.
Der DAB ist auf Facebook und Twitter.

Deutscher Akademikerinnenbund e.V.

Geschäftsstelle
Elife Appelt, M.A.

Sigmaringer Str. 1
10713 Berlin

fon 030/3101 6441

gro.ve-bad@ofni

Bürozeiten:
Mo, Di, Mi 9:00 - 13:00 Uhr

KONSENS