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Vor einigen Wochen las ich wieder mal die Lektüre von Vera F. Birkenbihl „Wie lernen gelingt“, denn das Thema Schule und Bildung interessiert mich sehr. Schade, dass ich die Managementtrainerin und Autorin nicht persönlich kennengelernt habe. Ich liebe aber ihre YouTube-Videos und ihre Sicht der Dinge. Vor allem die Themen (Weiter-)Bildung, (lebenslanges) Lernen finde ich aktuell wieder sehr interessant. Man kommt nicht drum herum, das Thema Lockdown der Schule auf Grund der Pandemie anzusprechen. Sehr viele Schüler, Eltern, aber auch Lehrer sind mit dem Lockdown konfrontiert worden und mit dem Konzept der Digitalisierung, welches mit heißer Nadel gestrickt wurde, wohl etwas überfordert gewesen. Dies habe ich in vielen Gesprächen mit den Eltern mitbekommen.

Viele Schulen wiederum hatten überhaupt nicht die notwendigen Ressourcen, um den Unterricht digital anbieten zu können. Als positives Beispiel ist zum Beispiel Monheim vorgestellt worden. Es ist aber tatsächlich in einer Talkshow eher als Ausnahme dargestellt worden.

Also profitieren die Schüler „reicherer“ Städte viel eher von einer guten Schul bildung, weil die Städte oder Stadtteile sich überhaupt gewisse Dinge erst leisten können1. Studien belegen allerdings, dass Bildung eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Bekämpfung der Armut ist.
Allzu oft bestimmt der entsprechende Stadtteil, welches Schulprogramm überhaupt an der Schule „realistisch“ ist, weil gewisse Voraussetzungen der Schüler einfach fehlen.

Eventuell bin ich da zu detailverliebt in meiner Planung, aber bei einem möglichen Umzug in eine größere Wohnung aufgrund des Familienzuwachses wollte ich unbedingt wissen, was es für ein Stadtteil ist und welche Schulen dann den Kindern zur Auswahl stehen.
Eigentlich finde ich diese Tatsache sehr schade. Denn es führt eher dazu, dass unbeliebte Stadtteile günstigere Wohnungen anbieten und dadurch eine gewisse Zielgruppe anziehen, und das Wohnen in begehrteren Stadtteilen mit einer guten Infrastruktur können sich nur die Besserverdiener leisten. So findet auch an den Schulen eher eine Konzentration statt und dazu kommt es eher zu sozialen Konflikten.

Eine positive Einschätzung? Der erste Eindruck täuscht
Letztens hatte mir mein Patenkind berichtet, dass sie ja jetzt in den Kindergarten geht und schon bald in die Schule kommt. Später hat mir ihre Mutter Anna2 von der Leistungsbeurteilung für die Schule berichtet. Anna sagte, dass ein Punkt sie allerdings etwas traurig und nachdenklich machte: Das Kind wurde als sehr respektvoll und mit sehr guten Umgangsformen beurteilt. Dabei ist die 5-Jährige ein ganz normales Kind meiner Meinung nach. Als Mutter wäre ich stolz auf die Erziehung meiner Tochter gewesen. Wenn aber diese Einschätzung bedeutet, dass sie mit ihren freundlichen Umgangsformen eine wirkliche Ausnahme darstellt, dann wären es doch keine allzu guten Nachrichten.
Ende September hörte ich von der Studie über die gestiegene Gewalt gegen die Lehrer. Die dargestellten Zahlen fand ich erschreckend und auch die Tatsache, dass die Lehrer dann wohl im Stich gelassen werden.
Ich frage mich generell, ob es sich in so einer Atmosphäre, in der die Lehrer sowohl psychischer oder auch physischer Gewalt ausgesetzt sind, überhaupt gut lernen lässt und sich neues Wissen vermitteln lässt? Dabei ist doch aktuell die Rede davon, dass Deutschland als Land nicht den Anschluss verlieren darf und den Technologiewandel schaffen muss. Dazu bedarf es kompetenter Nachwuchs- und Fachkräfte. Wie sollen diese aber entstehen? Kann die Schule überhaupt diesen Rahmen (noch) bieten?

Es gibt doch auch positive Beispiele und eine Schule darf sich beste Schule Deutschlands3 nennen. Auch Konzepte von Frau Birkenbihl erscheinen da in vielerlei Hinsicht angemessen. Es müsste also nicht Neues erfunden werden, um die Schule wieder zu einem schönen Ort machen zu können. Es darf einfach kein Ort der Gewalt werden, an den Lehrer und Schüler schon mit Bauchschmerzen dran denken.

Die Studie wirft also wirklich sehr viele Fragen auf:
•Woher kommt diese enorme Gewaltbereitschaft?
•Sind die Lehrer tatsächlich zu einer Person des „Ventils für angestaute Unzufriedenheit“ der Schüler geworden? (verursacht durch den Lockdown oder gestiegene Gewalt zu Hause?)

Vor allem interessiert mich die Frage, ob jemand aus früheren Generationen dies schon mal in der Form so erlebt hat. Ich selbst bin Jahrgang 1984 und Lehrer waren für mich immer eine Respektperson. Manche mochte ich sogar. Wenn Sie das Thema auch interessiert, Sie mit meiner Meinung einverstanden sind oder meinen Überlegungen so nicht zustim-men können, freue ich mich sehr über Ihre Zuschriften. Eventuell besteht hier viel mehr Forschungsbedarf.

Eugenie Männicke, Regionalgruppe Essen Eugenie.Maennicke@gmail.com

1Der Artikel erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern möchte gerne zur Diskussion anregen. Ich freue mich allerdings wirklich sehr auf Ihre Zuschriften
2Name erfunden. Die Geschichte ist jedoch wahr.
3https://youtu.be/UioIvMyc1jI
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